Cholesterin genießt in der Öffentlichkeit einen denkbar schlechten Ruf. Es ist verantwortlich für Arterienverkalkung und damit für Herzinfarkt und Schlaganfall, zwei der häufigsten Todesursachen in den Industrieländern. Lebensmittel mit hohem Cholesteringehalt werden daher gemieden, und Functional-Food-Produkte, die die entsprechenden Blutwerte verbessern sollen, sind Verkaufsschlager. Den tatsächlichen Ursachen für die Hypercholesterinämie ist damit allerdings kaum beizukommen.

  1. Cholesterin ist wichtig
  2. HDL und LDL
  3. Erhöhtes Cholesterin
  4. Cholesterinsenker

Cholesterin ist wichtig

Etwa 80% des Gesamtcholesterins werden vom Körper selber produziert, denn es erfüllt wichtige Aufgaben. So ist es Grundlage für die Bildung von Vitamin D und für die Gallensäuren, die für die Fettverdauung benötigt werden. Auch die Geschlechtshormone entstehen aus Cholesterin, ebenso wie wichtige Bestandteile unserer Zellwände. Der größte Teil des zusätzlichen Nahrungscholesterins wird meist nicht benötigt und ausgeschieden. Enthält die Nahrung zuviel davon, wird die körpereigene Produktion entsprechend reduziert oder im umgekehrten Fall erhöht.

HDL und LDL

Eine weitere Aufgabe des Cholesterins ist der Transport von Triglyzeriden oder Fettsäuren. Fallen diese Substanzen während des Verdauungsvorgangs an, werden sie entweder vom HDL (dem „guten“ Cholesterin) zur Leber transportiert, wo sie abgebaut werden oder das LDL (oder „schlechte“ Cholesterin) befördert sie in die Körperzellen, wo sie zwar ebenfalls benötigt werden, aber, wenn sie in großen Mengen anfallen, zu Ablagerungen und schließlich zu Arterienverengung führen. Die Mengen der beiden Parameter HDL und LDL im Blut sind demnach ein wichtiger Anhaltspunkt für das Arterioskleroserisiko. Gute Werte für LDL liegen um oder unter 160 mg/dL, HDL sollte bei 40 mg/dL oder darüber liegen. Dies sind aber nur sehr grobe Annäherungen, genaue Beurteilungen müssen anhand der Lebensumstände und anderer Faktoren durch den Arzt erfolgen.

Erhöhtes Cholesterin

Eine Hypercholesterinämie („zu viel Cholesterin im Blut“) hat ihre Ursache also nicht in einem zu hohen Gehalt in der Nahrung, sondern in einer Fehlregulation. Übergewicht oder genauer: zuviel inneres Bauchfett steht im Verdacht, durch zusätzliche Hormonproduktion diese Fehlregulierung zu verursachen. Der Verzicht auf cholesterinreiche Nahrungsmittel wie

  • Fleisch
  • Eier
  • Wurstwaren
  • Innereien

ist keine Lösung für dieses Problem, kann aber auch nicht schaden. Besser wäre allerdings, auf die Zusammensetzung der Nahrungsfette zu achten. Gesättigte Fettsäuren (aus tierischen Nahrungsmitteln) beeinflussen den Cholesterinwert negativ, während sich

  • einfach ungesättigte Fettsäuren (in Olivenöl, Nüssen und Rapsöl) und
  • mehrfach ungesättigte Fette aus Walnüssen, Leinsamen und Seefisch

günstig auf die Blutwerte auswirken. Empfohlen wird daher eine mediterrane Kost mit viel Gemüse, Fisch, Nüssen und Olivenöl. Meiden sollte man hingegen die sogenannten gehärteten Fette, die häufig in Süßwaren, Fertiggerichten und speziell komponierten Bratfetten vorkommen. Sie erhöhen den LDL-Wert sehr stark.
Der häufige Verzehr von

  • Äpfeln
  • Birnen
  • Beerenfrüchten und
  • Topinambur

hingegen, die einen hohen Gehalt an löslichen Ballaststoffen haben, senkt den Cholesterinwert, da sie Gallensäuren an sich binden und ausscheiden helfen. Die Neubildung der verlorenen Gallensäuren bewerkstelligt der Körper durch Neubildung aus Cholesterin, wodurch dessen Blutkonzentration sinkt. Den größten und dauerhaftesten positiven Effekt erzielt man aber durch eine Gewichtsreduktion bis hin zum Normalgewicht, das man mithilfe eines BMI-Rechners zuverlässig und – an Alter und Geschlecht angepasst – ermitteln kann.

Cholesterinsenker

Cholesterinsenkende Medikamente greifen bei der Eigenproduktion des Körpers ein und regeln diese herunter. Allerdings können sie nicht, wie die körpereigene Regelung, flexibel auf unterschiedliche Nahrungszusammensetzungen reagieren. Daher müssen Patienten, die diese einnehmen, stärker als Gesunde auf ihr Nahrungscholesterin achten (die Wirkstoffdosis wird nicht von Mahlzeit zu Mahlzeit angepasst wie etwa bei Insulininjektionen).

Neuerdings hört man auch, dass ein medikamentös gesenkter Cholesterinwert nicht automatisch ein geringeres Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko mit sich bringt. Die Gleichung wenig Cholesterin = wenig Arteriosklerose = geringes Herzrisiko greift möglicherweise zu kurz und muss um weitere Faktoren wie Übergewicht ergänzt werden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber!